Gedankenflut

19
Dez
2010

Was wäre ich ohne Worte...

Ich harre der Worte, die mir aus den Fingern fließen. Nehme sie auf, spinne sie fort. Baue daraus einen Kokon der mich beherbergt. Schützt vor den bösen Blicken, die mich zu erreichen suchen. Schaffe eine Insel der Ruhe mitten im Kampf. Schließe das Getöse der Welt aus.

Verwandelt sich in ein schimmerndes zuhause. Voller Kerzenschein und Behaglichkeit. Bietet mir Wärme und Wohlergehen. Bis ich mich erholt habe, vor den Schlägen, die Garstiges geschlagen haben.

Was wäre ich ohne diese Gabe. Mit Worten zu zaubern und zu malen. Mir eine Welt zu schaffen, die allein mir gehört. Niemand anderer zu betreten vermag. Verschlossen bleibt vor begehrlichen Blicken. Mein unsichtbares Schloss. Gewoben aus feinstem Gold. Gesponnen mit leichter Hand und freudig bewehrter Seele.

Ein Hauch Ewigkeit liegt darin verborgen. Niedergeschrieben in den dunklen Momenten. Die sich zum Licht der Sonne öffnen, darin auftauen. und sich im Morgen verlieren. Geboren und gestorben in einem Atemzug.

So mächtig wie das Leben selbst. Sich immer wieder neu erfindend. Ein Gewand um das andere abwerfend. Maskenlos befreit. Bin ins Innerste zu sehen offenbart sich das wahre Sein. Mein Kern. Mein Sein. In meinen Worten.

Kein Platz für leere Hülsen, die auf nichts als vergängliches deuten. Nur reines Sein. Reines Ich. Bis auch das sich auflöst in das großes Ganze. Zerfließt in leisen Wellen. Flüsternd erzählt von seinen Farben, aufgehend in etwas Größeres, als es selbst je war.

Was wäre ich ohne Worte...

7
Sep
2008

Leben

Wahres Leben bedingt inneres lebendig sein. Und das wiederum braucht die Erlaubnis sein zu dürfen. SEIN zu dürfen. Ist das nicht selbstverständlich? Anscheinend nicht. Wer gibt dem Leben seinen Wert? Sind es meine Taten? Muss ich mir meinen Wert erarbeiten?

Wohl nicht. Wieso fällt es mir dann manchmal so schwer, dieses Geschenk des Lebens anzunehmen, zu nehmen, mit beiden Händen zu ergreifen? So, als ob ich oftmals das Gefühl habe, mich entschuldigen zu müssen für mein Hiersein.

5
Apr
2007

Nachdenklichkeit

Ostern steht nun vor der Tür und der Todestag meines Vaters jährt sich am Ostermontag zum ersten Mal. Ein Jahr ohne Vater gelebt. Ich weiß ja, dass das der Kreislauf des Lebens ist, doch manches mal möchte ich einfach dagegen rebellieren. Wie ein kleines Kind zornig auf den Boden stampfen und mich in die Gewissheit flüchten, dass alles irgendwie ohne mein Zutun wieder gut wird.

Ach ja, welche Gedanken treiben mich nur um. Erwachsen sein ist manchmal so anstrengend. Stärke schafft oft Distanz und macht in manchen Momenten einsam. Sich immer selbst aus dem Sumpf zu ziehen ist zwar lobenswert doch entbehrt es nicht einer gewissen Sehnsucht.

4
Aug
2006

Musik

Mit Musik in den Ohren verschwindet jeder in seiner Welt. Sperrt alles aus. Taucht in die Klänge, den den Kopf füllen. Liebkosend wie die Berührung des Geliebten. Jeder Ton bricht sich Bahn, steigt auf, bringt das Gesicht zum Leuchten. Die Welt scheint in ganz neue Farben getaucht, Glück strömt in den Kopf, hebt die Gedanken empor.

Dieses Gefühl zu teilen, darin zu lieben. Fast unvorstellbar.

Die Klangwelt lässt keine Bedürftigkeit zu. Speist das Ich mit reinem Jetzt. Ein Moment reiht sich an den nächsten. Jeder Ton dehnt die Zeit, verzaubert den Blick. Das Glück begegnet dem mutigen Geist.

Als ob die Seele zur Klaviatur wird. Jedes Wort, jeder Klang eine Taste trifft. Formt eine schimmernde Welt, die sich beständig neu erfindet. Silbrige Fäden verbinden das zarte Gespinst. Farben explodieren, ein glitzerndes Feuerwerk aus Tönen, eine wogende Symphonie.

Ich bin glücklich.

11
Jun
2006

Pein

Bloßgestellt fühlen bis ins Innerste. Den wahren Kern sichtbar gemacht. Unendlich schämen. Winzig klein fühlen.

Nichts mehr übring von mir an Wert. Nur noch meine Unfähigkeit ist zu sehen. Mein Schmutz. Bis ins Mark erschüttert. Das Schlimmste. Geballt gesehen worden. Verkriechen wollen wie ein waidwundes Reh.

Vor Scham die Menschen am liebsten austauschen wollen. Nichts dagegensetzen können. Zusammenbrechen unter diesem Ansturm. Völlige Hilflosigkeit und Erstarrung. Ein Häschen im Scheinwerferlicht. Keine Fähigkeit Haken zu schlagen. Durchschaut. Reduziert. Seziert. Das Wahre.

Das Wahre ist armselig und schmuddelig. Mein Kern? Brennende Augen. Altes Gesicht. Eingegrabene Traurigkeit. Mein Verlies. Aufgestapelte Gebeine nicht begrabener Hoffnungen. Verlassene Dunkelheiten voll Spinnweben und staubiger Kühle.

Die Verwirrung ist wie ein Karussell in irrwitziger Fahrt. Kein Halten und kein Halt. Stetiges Drehen ohne Ziel. Kraft die schwindet.

~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~

Wenn ich da jetzt durchgehe, bin ich frei. Dann habe ich meine dunkelsten Verliese den Augen anderer preisgegeben und bin trotzdem angenommen worden. Immer noch ein wertvoller Mensch geblieben.

Ihr guten Geister, lasst mich die Kraft haben, da durchzugehen.

15
Apr
2006

...

Mein Vater ist tot. Nun gibt es niemanden mehr, den ich auf dieser Welt mit Papa ansprechen kann. Dieses Wort gibt es nur mehr in der Erinnerung. Es heißt nun "er war" und nicht mehr "er ist".

Die Erkenntnis tropft langsam in mein Inneres. Ganz vorsichtig, so als ob es sonst für diesen Schmerz kein Halten gibt. So kontrolliert kenn ich mich gar nicht. Es scheint ein großer Engel mich zu hüten. Der dafür sorgt, dass meine Gedanken nur kurze Momenten zulassen, in denen mein Bewusstsein begreift, dass er nicht mehr wieder kommen wird.

Ich wiege mich selbst zum Trost und kann mir doch keinen spenden. Der Kummer kommt und geht. Als ob er ein Bleiben um jeden Preis verhindert. Kein dauerhaftes Bleiben, kein wirkliches Erkennen um die Ausmaße des Verlustes.

In seinem tiefsten Schmerz ist der Mensch stets allein, heißt es. Und das ist wahr. Nur meine Katzen sehen meine Tränen, hören meine Verzweiflung und sind ein lebender Herzschlag an meiner Seite.

An einem seiner letzten Tage hatte ich das Gefühl, er sei selber zum Engel geworden. Mit seinem schlohweißen Haar, den geschlossenen Augen und dem schmal gewordenen Körper. Fast war mir, als könnte ich seine Flügel sehen, ausgebreitet und sanft an ihn geschmiegt.

Hätte mich am liebsten mit ins Bett gelegt. Ganz klein gemacht, wieder das kleine Mädchen sein. Beschützt und behütet mit dem kindlichen Glauben, dass auch morgen wieder die Sonne aufgehen wird und ein neuer Tag kommt, an dem alles wieder so ist, wie es war.

Ach ja, langsam hebt sich der dumpfe Schleier, der jedes Gefühl gedämpft hat. Die Zeit bricht eben erst die Wunden auf, bevor sie sie heilt. Und auch wenn ich es mir noch so wünschen würde, dass ich den schmerzhaften Aufbruch überspringen könnte, holt er mich, noch während ich dies denke, ein.

Das ist der Preis für's Lieben. Und auch wenn die Währung eine noch so schmerzhafte ist, wär ein Nichtbezahlen undenkbar.

18
Jan
2006

Illusionen

Meine Illusionen mir nehmen. Kontrolle und Freiheit sind beides eine Illusion.

Das Verlangen immer alles wissen zu wollen, ist der Wunsch nach Kontrolle. Alles in der Hand zu haben, zu wissen was passiert, bestimmen was geschehen soll, eine vermeintliche Sicherheit.

Der Frieden kommt aus dem Inneren, nicht aus den äußeren Gegebenheiten. Sie sind eine Illusion. Ich halte mich selbst darin gefangen.
Dieser Wunsch immer alles überblicken zu wollen. Recht zu haben, mehr zu sehen als die anderen, erhaben zu sein, keine Angriffsfläche zu bieten, da ich ja schon eine Stufe darüber stehe... Welche eine Illusion.

Meine Welt ist erschüttert. Die Grundfesten wanken. Was ist noch wahr und was nicht? Zurückgeworfen auf mich. Mein Selbst. Doch wenn das Selbst schwankt, was gilt dann noch? Was ist dann mein Selbst? Wer bin ich dann noch? Oder ist genau das, das Ziel?

Die Illusionen abbauen. Es lernen? Sein. Ein Zustand, der ständig Veränderungen unterworfen ist. Und das ist Sein. Ohne Kontrolle. Sein. Auf das Leben vertrauen.

(Gedankenflut nach dem Film "Instinkt")
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